Im Webinar sprichst du live, zu einer festen Zeit, und alle hören gleichzeitig zu. Im Online-Kurs lernen deine Teilnehmer dann, wenn sie Zeit haben, in kleinen Schritten, mit Aufgaben dazwischen. Das Webinar trägt deine Präsenz, der Kurs trägt den Lernweg. Beides hat seinen Platz. Es hakt dort, wo eine Aufzeichnung von neunzig Minuten als Kurs verkauft wird. Dann fehlt genau das, was einen Kurs ausmacht: die Pause, in der jemand selbst etwas tut.
Das Webinar zeigt dein Wissen. Der Online-Kurs sorgt dafür, dass deine Teilnehmer etwas damit machen. Wer beides verwechselt, verkauft eine Aufzeichnung und wundert sich, dass niemand bis zum Ende kommt.
Ich habe das selbst erlebt, als Teilnehmer. Wieder einmal ein Online-Workshop, ein Webinar. Anderthalb Stunden habe ich dem Coach zugehört, ein paar neue Erkenntnisse mitgenommen, ein paar Fragen in den Chat geschrieben. Aber es war viel zu viel und viel zu lang. Am Ende saß ich da und dachte: So funktioniert Lernen von Experten nicht.
Was mir gefehlt hat, war nicht mehr Inhalt. Es war der kleine Input, dann Zeit für meine eigenen Fragen, ein Moment zum Nachdenken, eine Gelegenheit, etwas selbst anzuwenden. Und erst dann der nächste Schritt. Genau das ist der Unterschied zwischen einem Webinar und einem Online-Kurs.
Der Unterschied liegt nicht in der Technik
Beides läuft am Bildschirm, beides kann Video, Folien und Chat haben. Auf den ersten Blick sieht ein Webinar wie ein Kurs aus, nur live. Der eigentliche Unterschied liegt woanders.
Ein Webinar hat einen Termin. Du bestimmst, wann gelernt wird, wie schnell und in welcher Reihenfolge. Alle hören dasselbe zur selben Zeit. Wer eine Frage hat, stellt sie im Chat, und du beantwortest sie, wenn es passt. Danach ist das Webinar vorbei.
Ein Online-Kurs hat keinen Termin. Deine Teilnehmer bestimmen, wann sie lernen, und jeder ist an einer anderen Stelle. Dafür ist der Weg vorgegeben: Einheit für Einheit, jede zu einer Frage, mit Aufgaben dazwischen. Du bist nicht dabei. Der Kurs muss also das tun, was du im Webinar live tust: Tempo vorgeben, nachfragen, zum Anwenden bringen.
Kurz: Das Webinar lebt von dir. Der Kurs lebt davon, wie er gebaut ist.
Was das Webinar besser kann
Das Webinar ist nicht das schlechtere Format. Es kann Dinge, die ein Kurs nicht kann. Deine Teilnehmer erleben dich, hören deine Stimme, sehen, wie du auf Fragen reagierst. Das schafft Vertrauen, und Vertrauen verkauft. Viele, die später einen Kurs oder ein Coaching buchen, haben dich vorher in einem Webinar kennengelernt.
Auch für das, was sich gerade ändert, ist das Webinar stark. Eine neue Regel, ein aktueller Fall, eine Frage, die diese Woche alle umtreibt: Das gehört live besprochen, nicht in eine Aufnahme, die in drei Monaten veraltet ist.
Was das Webinar schlecht kann, ist Lernen über Wochen. Neunzig Minuten am Stück sind für dich ein Vortrag. Für deine Teilnehmer sind sie eine Menge Stoff ohne Pause dazwischen.
Was der Kurs leisten muss
Anthony Steffan von WAXTUM500 bietet Vertriebsweiterbildungen an und hat das im Podcast „Mensch. Maschine. Macher.“ gut beschrieben: Seine Teilnehmer merken im Kurs, dass sie sich nicht nur berieseln lassen dürfen. Sie müssen mit dem Gelernten etwas machen.
Das ist der Kern. Ein Kurs, der nur Videos aneinanderreiht, ist ein Webinar in Scheiben. Ein Kurs, der nach jeder Einheit etwas verlangt, eine Aufgabe, eine Frage an den eigenen Alltag, einen ersten Versuch, bringt deine Teilnehmer dorthin, wo dein Coaching sie haben will: ins Tun.
Der Lernforscher David A. Kolb hat 1984 in seinem Buch „Experiential Learning“ beschrieben, dass Erwachsene in einem Kreislauf lernen: eine Erfahrung machen, darüber nachdenken, daraus einen eigenen Gedanken ableiten und ihn ausprobieren. Ein Webinar liefert vor allem den ersten Teil. Ein guter Kurs lässt Raum für alle vier.
Woran es meistens hakt
Die Aufzeichnung wird zum Kurs erklärt. Das Webinar lief gut, also kommt die Aufnahme in einen Mitgliederbereich und bekommt einen Preis. Für deine Teilnehmer ist das ein Video von anderthalb Stunden, das sie irgendwann anschauen wollen. Die meisten kommen nicht bis zum Ende.
Der Kurs wird wie ein Webinar geplant. Du denkst in Folien und Vortragszeit statt in Fragen deiner Teilnehmer. Dann entstehen lange Einheiten, die alles erklären, und keine einzige Stelle, an der jemand selbst etwas tun muss.
Das eine soll das andere ersetzen. Wer nur noch Kurse anbietet, verliert die Nähe. Wer nur Webinare gibt, erklärt jede Woche dasselbe. Stark wird es, wenn der Kurs das Wiederkehrende trägt und das Webinar das Lebendige.
Wie das für dein Thema aussieht, hängt daran, was du immer wieder erklärst und wo deine Teilnehmer hängen bleiben. Das finden wir lieber im Gespräch heraus als hier im Allgemeinen. Wie ein Kurs grundsätzlich entsteht, steht im Beitrag Wie erstelle ich einen eigenen Online-Kurs?
Wie es bei mir läuft
Hast du schon Webinare gegeben, ist das meiste Material da. Ich nehme deine Aufzeichnungen und das, was du deinen Kunden immer wieder erklärst, und baue daraus einen Kurs: kurze Einheiten zu je einer Frage, mit Aufgaben, die zum Anwenden bringen. Dein Webinar bleibt, als Ort für Fragen und für alles, was neu ist. Wie sich so eine Einheit anfühlt, kannst du in einem Beispielkurs ansehen. Die erste Einheit dort handelt übrigens genau davon, warum vom Webinar so wenig hängen bleibt.
Häufige Fragen dazu
Kann ich die Aufzeichnung meines Webinars als Online-Kurs verkaufen?
Verkaufen kannst du sie, aber ein Kurs ist sie damit noch nicht. Eine Aufzeichnung ist ein guter Rohstoff. Zum Kurs wird sie, wenn sie in kurze Einheiten zu je einer Frage zerlegt wird und nach jeder Einheit eine Aufgabe kommt, mit der deine Teilnehmer selbst etwas tun.
Wie lange sollte ein Webinar dauern?
So lange, wie dein Kerngedanke und die Fragen dazu brauchen, nicht länger. Willst du mehr Stoff vermitteln, als in einen Termin passt, ist das ein Zeichen, dass ein Teil davon in einen Kurs gehört, den deine Teilnehmer in ihrem Tempo durcharbeiten.
Was ist ein Evergreen-Webinar?
Eine aufgezeichnete Präsentation, die zu festen oder frei wählbaren Zeiten abgespielt wird, als wäre sie live. Sie dient meistens dem Verkauf. Ein Lernweg mit Aufgaben ist sie nicht, und deshalb ersetzt sie keinen Online-Kurs.
Was ist der Unterschied zwischen Webinar und Seminar?
Ein Seminar findet vor Ort statt, ein Webinar am Bildschirm. Beide haben einen festen Termin, eine Leitung und eine Gruppe, die zur selben Zeit lernt. Darin unterscheiden sich beide vom Online-Kurs, den jeder für sich durcharbeitet, wann er Zeit hat.