Fang nicht beim Aufnehmen an. Fang bei dem an, was dein Teilnehmer nach dem Kurs kann. Den Weg dahin zerlegst du in kurze Einheiten zu je einer Frage, in einer Reihenfolge, die aufeinander aufbaut. Jede Einheit endet mit einem Auftrag am eigenen Fall, und dein 1:1 greift diesen Auftrag auf. Kamera, Schnitt und Plattform kommen zuletzt.
Such mal nach „Online-Kurs erstellen“. Du bekommst Anleitungen, die sich verblüffend ähneln: Thema finden, Zielgruppe festlegen, Gliederung schreiben, Videos aufnehmen, Plattform wählen, verkaufen. Manche versprechen das an einem Wochenende.
Das stimmt sogar. An einem Wochenende hast du Videos auf einer Plattform. Einen Kurs, den jemand bis zum Ende durcharbeitet und danach etwas anders macht, hast du damit noch nicht.
Eine Beraterin, die selbst schon mehrere Programme gebucht hatte, hat mir erzählt, wie das von der anderen Seite aussieht. Über die wöchentlichen Live-Termine sagte sie: „Die Zeit hat ja kein Mensch im normalen Alltag.“ Ein Programm hat sie abgebrochen. Bei einem anderen blieb ihr der Eindruck: schnell abarbeiten, schnell irgendwas liefern, ob das gebraucht wird oder nicht.
Genau dieser Eindruck entsteht, wenn ein Kurs vom Aufnehmen her gebaut wird.
Am Anfang steht ein Satz, kein Video
Bevor irgendetwas aufgenommen wird, braucht dein Kurs einen Satz: Was kann dein Teilnehmer, wenn er durch ist? Nicht, was er weiß oder kennt. Was er tut. Ein Gespräch führen, ein Angebot schreiben, eine Entscheidung treffen, die ihm vorher schwerfiel.
Das klingt banal und ist der Schritt, an dem die meisten hängen bleiben. Wer viel weiß, will viel zeigen. Der Satz zwingt dich, wegzulassen. Alles, was nicht zu diesem Können führt, gehört in einen anderen Kurs oder in dein 1:1.
Deine Kunden haben die Gliederung längst geschrieben
Die beste Gliederung liegt nicht im Kopf. Sie liegt in den Fragen, die dir deine Kunden stellen, immer wieder, in fast derselben Reihenfolge. Jede dieser Fragen wird eine kurze Einheit. Drei, vier, fünf Minuten, eine Frage, eine Antwort.
Schwierig wird es bei der Reihenfolge. Du selbst weißt alles gleichzeitig, deshalb merkst du nicht, was dein Teilnehmer zuerst braucht, damit das Zweite überhaupt Sinn ergibt. Diese Ordnung lieferst du beim Aufnehmen nicht mit. Sie entscheidet aber, ob am Ende jemand etwas kann. Wie das aus deinem Coaching heraus aussieht, steht im Beitrag Wie wird aus meinem Coaching ein Programm?
Ohne Auftrag ist es ein Video
Hier trennt sich ein Kurs von einer Videosammlung. Jede Einheit endet mit etwas, das dein Teilnehmer selbst tut, an seinem eigenen Fall. Nicht „überleg dir mal“, sondern ein Auftrag mit einem Ergebnis, das er in der Hand hat. Erst dann merkt er, dass sich in seinem Alltag etwas verändert. Und genau das hält ihn dran.
Gute Aufträge zu schreiben ist Handwerk. Zu groß, und er schiebt es auf. Zu klein, und er merkt keinen Unterschied. Zu allgemein, und er fühlt sich nicht gemeint.
Der Kurs braucht einen Ort, an dem er ankommt
Ich habe lange eine Fortbildungsreihe verantwortet, zu der ein begleitendes Learning gehörte. Vor jedem Präsenztag prüfte die Verwaltung, ob es abgeschlossen war. Wer nur angefangen hatte, wurde angesprochen, bevor er auf den Dozenten traf. Er bekam ein Tablet und zwanzig Minuten, holte die fehlenden Abschnitte nach und musste sich nicht vor der Gruppe erklären.
Der Präsenztag hat darauf aufgebaut. Darum war das Learning nicht freiwillige Kür.
Für deinen Kurs heißt das: Dein 1:1, dein Gruppentermin oder deine Sprechstunde greift auf, was im Kurs passiert ist. Weiß dein Teilnehmer, dass du im nächsten Termin nach seinem Auftrag fragst, macht er ihn auch.
Erst jetzt kommen Kamera und Plattform
Wenn Ziel, Fragen, Reihenfolge und Aufträge stehen, ist das Aufnehmen der leichtere Teil. Oft reicht das Material, das du schon hast: Webinare, Podcastfolgen, Vorträge. Ohne Material reicht ein Gespräch, in dem du erzählst, was du sonst im Coaching erzählst.
Bleibt die Frage, wo das alles liegt. Welche Plattform passt, hängt an Dingen, die man vorher selten bedenkt. Mehr dazu im Beitrag Welche Plattform ist die beste für Online-Kurse?
Und wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass dir für all das schlicht die Stunden fehlen: Das geht fast allen Coaches mit vollem Kalender so. Was es kostet, den Bau abzugeben, steht in Online-Kurs erstellen lassen.
Häufige Fragen dazu
Wie kann ich online Kurse anbieten?
Du brauchst einen Kurs mit klarem Ziel, eine Plattform, auf der deine Teilnehmer ihn durcharbeiten, und einen Weg, über den sie bezahlen. Für Coaches funktioniert der Kurs am besten zuerst bei bestehenden Kunden, zwischen den Terminen. Welche Plattform passt, steht im Beitrag Welche Plattform ist die beste für Online-Kurse? Wie du ihn verkaufst, steht in Wie verkaufe ich meinen Online-Kurs?
Wie lang sollte ein Video in einem Online-Kurs sein?
So lang, wie eine Frage braucht. Meist sind das drei bis fünf Minuten. Eine Stunde am Stück schaut niemand zweimal, drei Minuten zur richtigen Frage schon. Wichtiger als die Länge ist, dass nach dem Video ein Auftrag kommt.
Warum brechen Teilnehmer Online-Kurse ab?
Meist, weil sie keinen Unterschied in ihrem Alltag merken. Lange Videos ohne Auftrag, Inhalte ohne Reihenfolge und Live-Termine, für die im Alltag keine Zeit bleibt, machen aus einem Kurs eine Pflicht. Wer nach jeder kurzen Einheit etwas an seinem eigenen Fall erledigt, bleibt dran.
Kann ich meine YouTube-Videos in einen Online-Kurs einbauen?
Ja, als Rohstoff. Vorhandene Videos sparen Aufnahmezeit. Sie müssen aber geschnitten, nach den Fragen deiner Kunden sortiert und mit Aufträgen ergänzt werden. Erst dann wird aus einer Sammlung ein Kurs.