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Für Coaches und Trainer

Wie wird aus meinem Coaching ein Programm, das auch ohne mich läuft?

Ein voller Kalender ist ein gutes Zeichen, bis dein Wochenende dafür herhalten muss.

Von Thomas Kohns Lesezeit 5 Minuten

Kurz gesagt

Aus dem, was du im Coaching immer wieder erklärst, wird ein Programm: kurze Module zu je einer Frage, in einer festen Reihenfolge, jedes mit einem Auftrag und einem Handout. Deine Kunden gehen es durch, wann sie Zeit haben. Du erzählst dafür einmal, aus Aufnahmen, die du schon hast, oder in einem Gespräch. Das 1:1 bleibt. Es kommt an der Stelle, an der es um den einzelnen Fall geht.

Dein Kunde kann nur Freitag um 15 Uhr. Da hast du aber schon zwei 1:1 Coachings.

Also schreibst du ihm, dass es erst nächste Woche klappt. Zurück kommt: nächste Woche ist er unterwegs. Und plötzlich steht ihr beide bei Samstag, zehn Uhr.

Am Samstag um zehn sitzt du dann da und erklärst jemandem, wie Work-Life-Balance geht.

Gefragt zu sein ist etwas Gutes! Nur hängt dann alles an deinen Stunden: jede Erklärung, jeder Fortschritt deines Kunden, jeder neue Kunde.

Ein Gespräch wirkt in dem Moment, in dem es stattfindet

Im 1:1 passiert etwas, das keine Aufnahme ersetzt. Du merkst, wann eine Erklärung nötig ist. Du fragst nach, bringst ein Beispiel und siehst, wo dein Kunde hängen bleibt. Das ist deine Stärke. Genau dafür bucht man dich.

Ein guter Teil jeder Sitzung ist aber etwas anderes. Du erklärst das Modell, mit dem du arbeitest. Du erklärst die Übung, mit der jeder bei dir anfängt. Du beantwortest die Frage, die in der dritten Sitzung immer kommt. Das hast du schon oft gesagt. Du wirst es noch oft sagen.

Nach der Sitzung ist das Gesagte nur noch Erinnerung. Was davon bis zum nächsten Termin bleibt, liegt beim Gedächtnis deines Kunden.

Aufnehmen allein reicht nicht

Ich habe so etwas vor Jahren selbst gebaut, für neue Standorte. Was man dort wissen musste, habe ich aufgenommen und auf eine Lernplattform gestellt. Dazu gab es Ordner mit Prozessdokumenten, Checklisten und Packlisten.

Gescheitert ist es an etwas ganz Einfachem. Das Video dauerte 60 Minuten am Stück. Aus dem Video heraus kam man nicht in die Ordner. An eine bestimmte Stelle zurückspringen ging auch nicht. Wer es geschaut hat, musste sich nebenher wieder eigene Notizen machen.

Eine Stunde am Stück schaut niemand zweimal. Drei Minuten zur richtigen Frage schon.

„Nimm es doch einfach auf“ ist trotzdem der Rat, den Coaches überall bekommen. Er ist nicht falsch. Er hört nur an der entscheidenden Stelle auf. Wer zuschaut, nimmt etwas mit. Wer danach etwas können soll, braucht eine Reihenfolge und einen Auftrag, den er selbst erledigt. Dazu eine Frage genau an der Stelle, an der er sonst hängen bleiben würde.

Wie aus deinem Coaching ein Programm wird

Am Anfang steht die Frage, die dir deine Kunden am häufigsten stellen. Jedes Modul beantwortet genau eine davon. Darin steckt ein kurzes Erklärstück von dir, ein Lernziel in einem Satz, eine Verständnisfrage und ein Auftrag, den dein Kunde wirklich erledigt. Dazu kommt ein Handout zum Behalten.

Über allem steht die Reihenfolge: was zuerst kommt, was darauf aufbaut und was warten muss. Diesen Teil lieferst du beim Aufnehmen nicht mit. Er entscheidet aber, ob am Ende jemand etwas kann.

Dein Anteil ist das Erzählen. Hast du schon Videos, Webinare oder Podcastfolgen, ist das der Rohstoff. Hast du nur ein Thema im Kopf, entsteht der Rohstoff im Gespräch.

So ist es bei Anthony Steffan gelaufen. Er bildet im B2B-Vertrieb aus und hat sein Wissen lange nur persönlich weitergegeben, im Training und im Gespräch. Er hat es mir erzählt. Ich habe daraus einen Kurs gebaut mit sieben Abschnitten, 69 Modulen, sieben Arbeitshilfen und einem Abschlussquiz. Heute hat er seinen eigenen Kurs, unter seiner eigenen Marke und mit eigener Bezahlstrecke.

Wie das mit deinem Coaching oder deinem Training laufen kann, Schritt für Schritt, steht auf der Seite für Coaches und Trainer.

Das 1:1 bleibt. Es rückt nur an eine andere Stelle

Zurück zu Freitag, 15 Uhr. Dein Kunde macht an diesem Nachmittag das nächste Modul. Er arbeitet übers Wochenende damit. Am Montag steigst du genau da ein, wo er steht.

Im Termin geht es dann um das, was nur mit dir geht. Ihr sprecht über die Stelle, an der er festhängt, oder über die Frage, die sein eigener Fall aufwirft. Das Grundlegende hat er schon.

Dazu wird etwas möglich, das im Einzelcoaching kaum geht. Nicht jeder, dem du helfen willst, kann sich dein 1:1 schon leisten. Mit dem Programm kommt auch er an das, was du weißt, ohne dass du dafür einen Termin freiräumen musst.

Und der Samstag gehört wieder dir.

Häufige Fragen dazu

Wie mache ich aus meinem Coaching einen Online-Kurs?

Mit den Fragen, die deine Kunden dir am häufigsten stellen. Jede wird zu einem kurzen Modul mit Erklärstück, Lernziel, Verständnisfrage, Auftrag und Handout. Die Reihenfolge der Module entscheidet, ob am Ende jemand etwas kann. Den Rohstoff liefern vorhandene Videos oder ein Gespräch. Ausführlich im Beitrag Wie erstelle ich einen eigenen Online-Kurs?

Brauche ich als Coach eine Kursplattform?

Eine Plattform zeigt Inhalte an. Ordnen tut sie sie nicht. Wichtiger als die Wahl der Plattform ist, was hineinkommt und in welcher Reihenfolge. Ohne diese Ordnung bleibt auch die beste Plattform ein leeres Regal. Worauf es bei der Wahl ankommt, steht im Beitrag Welche Plattform ist die beste für Online-Kurse?

Wie viel Zeit kostet es, aus dem eigenen Coaching einen Kurs zu bauen?

Dein Anteil ist das Erzählen. Mit vorhandenen Videos, Webinaren oder Podcastfolgen reicht oft schon das Material. Ohne Material genügt ein Interview von 60 Minuten. Den Bau der Module übernimmt jemand, der Lernstrecken aufbaut. Was das kostet, steht im Beitrag Online-Kurs erstellen lassen.

Ersetzt ein Online-Kurs das 1:1 Coaching?

Er übernimmt das, was du jedem Kunden gleich erklärst. Das 1:1 bleibt für die Stellen, an denen es um den einzelnen Fall geht. Dein Kunde kommt vorbereitet. Der Termin beginnt dort, wo er gerade steht.

Eine Frage zum Mitnehmen

Was erklärst du in jedem Coaching aufs Neue? Schreib die ersten drei Antworten auf, die dir einfallen. Das sind deine ersten drei Module.

Wenn du magst, gehen wir die drei zusammen durch. Zwanzig Minuten, ein ruhiges Gespräch, ohne Folien.