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Für Coaches und Trainer

Kann man mit Online-Kursen Geld verdienen?

Ja. Nur nicht von allein: Ein Kurs nimmt dir das wiederholte Erklären ab, nicht den Verkauf und nicht die Betreuung.

Von Thomas Kohns Lesezeit 5 Minuten

Kurz gesagt

Ja, aber nicht von allein. Ein Online-Kurs nimmt dir das wiederholte Erklären ab, nicht den Verkauf und nicht die Betreuung. Geld verdient er dort, wo er eine Frage beantwortet, die deine Kunden dir ohnehin stellen, und wo du ihn aktiv anbietest. Es hakt, wenn der Kurs als Einkommen ohne Arbeit geplant wird. Dann fehlen Zeit für den Verkauf, für Fragen der Teilnehmer und für Änderungen am Inhalt.

Ja, man kann mit Online-Kursen Geld verdienen. Nur nicht so, wie es in den Anzeigen steht. Der Kurs nimmt dir das wiederholte Erklären ab. Den Verkauf und die Betreuung nimmt er dir nicht ab.

Eine Beraterin hat mir im Gespräch erzählt, wie das von der anderen Seite aussieht. Sie hat selbst mehrere Programme gebucht, die ihr beim Aufbau ihres Geschäfts helfen sollten. Abgeschlossen hat sie keines davon. Für die Live-Calls fehlte ihr die Zeit, und das Werkzeug für ihre Verkaufsstrecke hat sie am Ende kaum genutzt. Das Geld, sagte sie, war für die Katze.

Sie hat nichts falsch gemacht. Sie hat für ein Ergebnis bezahlt und Material bekommen, das vor allem eines verlangt hat: ihre Zeit. Wer selbst einen Kurs anbietet, sollte diese Seite kennen. Genau dort entscheidet sich, ob ein Kurs Geld bringt.

Was ein Kurs dir wirklich abnimmt

Denk an die Erklärung, die du in jeder dritten Sitzung gibst. Das Modell, mit dem du arbeitest. Die Übung, mit der bei dir jeder anfängt. Die Frage, die immer an derselben Stelle kommt. Das kostet dich jede Woche Stunden, und es ist immer dasselbe.

Genau das kann ein Kurs übernehmen. Einmal gut gebaut, erklärt er es jedem neuen Kunden, ohne dass du dafür einen Termin freiräumst. Dein Kunde kommt vorbereitet ins Gespräch, und du redest über das, wofür er dich eigentlich bucht: seinen Fall.

Damit verdienst du auf zwei Wegen. Der Kurs lässt sich allein verkaufen, an Menschen, die dein 1:1 noch nicht bezahlen können oder wollen. Und er macht dein Coaching wertvoller, weil die Zeit mit dir nicht mehr für Grundlagen draufgeht. Für viele Coaches ist der zweite Weg der bessere.

Zum Einordnen

Die Ökonomen William Baumol und William Bowen haben 1966 in „Performing Arts: The Economic Dilemma“ gezeigt, warum Live-Leistungen kaum produktiver werden: Ein Streichquartett braucht heute so viele Musiker und so viel Zeit wie vor zweihundert Jahren. Mit dem 1:1 Coaching ist es genauso. Mehr verdienen geht dort nur über mehr Stunden oder höhere Preise. Ein Kurs löst einen Teil deines Wissens von deiner Zeit. Den Rest nicht.

Was dir der Kurs nicht abnimmt

Den Verkauf. Ein fertiger, guter Kurs liegt auf deiner Seite und wartet. Niemand findet ihn, nur weil es ihn gibt. Anthony Steffan von WAXTUM500 hat lange immer wieder dasselbe erzählt, in Trainings und Gesprächen. Daraus wurde ein Interview von rund vier Stunden und daraus sein Kurs. Gekauft wird der aber nicht, weil er existiert. Anthony bietet ihn gezielt dort an, wo jemand schon nach einer Weiterbildung sucht. Wie das grundsätzlich geht, steht im Beitrag Wie verkaufe ich meinen Online-Kurs?

Die Betreuung. Wer zahlt, hat Fragen. Manche passen in den Kurs, dann gehört die Antwort beim nächsten Durchgang hinein. Andere sind so persönlich, dass nur du sie beantworten kannst. Ein Kurs ganz ohne Rückfragen ist meistens ein Kurs, den niemand durcharbeitet.

Die Pflege. Dein Thema ändert sich, deine Beispiele altern, und irgendwann merkst du, dass du es heute anders erklären würdest. Dann muss der Kurs mit.

Woran es meistens hakt

Der Kurs wird als Einkommen ohne Arbeit geplant. Dann ist nach dem Start keine Zeit mehr eingeplant, weder für den Verkauf noch für die Teilnehmer. Der Kurs geht online, die ersten Wochen bringen ein paar Verkäufe aus dem eigenen Netzwerk, dann wird es still. Das liegt selten am Inhalt. Es liegt daran, dass niemand mehr davon erzählt.

Der Kurs steht neben dem Coaching statt mittendrin. Er behandelt ein Thema, das du spannend findest, aber keine Frage, die deine Kunden dir stellen. Dann verkauft er sich schwer, und er entlastet dich auch nicht im Alltag. Am meisten bringt ein Kurs, der genau dort ansetzt, wo du sonst jede Woche dasselbe sagst.

Und noch etwas, bevor du Geld für einen Kurs mit Betreuung nimmst: Je nach Aufbau kann das Fernunterrichtsschutzgesetz greifen. Was dort gerade gilt, steht im Beitrag FernUSG und Coaching.

Was sich bei dir rechnet, hängt an deinem Thema, an deinen Kunden und daran, wie viel Zeit du heute mit Wiederholungen verbringst. Das schauen wir uns lieber gemeinsam an, als es hier allgemein zu beantworten.

Wie es bei mir läuft

Ich baue deinen Kurs aus dem, was du deinen Kunden ohnehin immer wieder erklärst. Dein Anteil ist das Erzählen, aus Aufnahmen, die du schon hast, oder in einem Gespräch. Daraus entstehen kurze Einheiten zu je einer Frage, mit Aufgaben, die zum Anwenden bringen. Der Kurs liegt unter deinem Namen, und was du einnimmst, bleibt bei dir. Wie du ihn anbietest und wo er in dein Coaching passt, besprechen wir, bevor er fertig ist. Warum dein 1:1 dabei bleibt, steht im Beitrag Wie wird aus meinem Coaching ein Programm, das auch ohne mich läuft?

Häufige Fragen dazu

Ist ein Online-Kurs passives Einkommen?

Nicht ganz. Ein Kurs nimmt dir das wiederholte Erklären ab, deshalb verdienst du daran, ohne für jede Stunde selbst da zu sein. Verkauf, Fragen der Teilnehmer und Pflege des Inhalts bleiben aber bei dir. Wer das von Anfang an einplant, hat ein verlässliches Zusatzeinkommen. Wer mit null Aufwand rechnet, wird enttäuscht.

Wie viel Arbeit macht ein Online-Kurs nach dem Start?

Am meisten in den ersten Monaten. Dann zeigt sich, wo Teilnehmer hängen bleiben und welche Fragen immer wieder kommen, und beides gehört in den Kurs. Dazu kommt der Verkauf, der nie ganz aufhört. Danach wird es ruhiger, solange sich dein Thema nicht grundlegend ändert.

Wie viel Betreuung brauchen Teilnehmer in einem Online-Kurs?

So viel, dass niemand an einer Stelle allein hängen bleibt. Oft reicht ein fester Weg für Rückfragen, etwa per Mail oder in einem regelmäßigen Termin für alle. Je besser der Kurs die typischen Fragen schon beantwortet, desto weniger Betreuung braucht er. Ganz ohne geht es selten.

Muss ich meinen Online-Kurs regelmäßig aktualisieren?

Nicht ständig, aber immer dann, wenn sich dein Thema ändert oder du merkst, dass du etwas heute anders erklären würdest. Kurze Einheiten zu je einer Frage machen das leicht, weil du nur die eine Einheit neu aufnimmst und nicht den ganzen Kurs.

Eine Frage zum Mitnehmen

Welche Erklärung gibst du jede Woche aufs Neue, ohne dass jemand extra dafür zahlt? Dort liegt das Geld in deinem Kurs.

Wenn du magst, schauen wir gemeinsam, welcher Teil deines Wissens als Kurs trägt und was im 1:1 bleiben sollte. Ein ruhiges Gespräch, ohne Folien.